© Anna Steiner

Taunuswind

Der Bund, das Land Hessen und die Landeshauptstadt Wiesbaden haben klare Ziele für die künftige Energieversorgung. Wiesbaden möchte seinen Strombedarf bis 2020 zu wenigstens 20 Prozent mit erneuerbaren Ernergien aus regionalen Anlagen decken. Rund zehn Windkraftanlagen auf dem Taunuskamm sollen einen großen Beitrag zu diesem Ziel leisten. Doch in der Region – und nicht nur auf hessischer Seite – regt sich Widerstand.

Noch stehen keine Windräder auf dem Taunuskamm. Doch die Stadt Wiesbaden überprüft gemeinsam mit der ESWE Versorgungs AG die Realisierbarkeit eines Windparks mit bis zu zehn Windkraftanlagen auf dem Taunuskamm. Auf der Internetseite der ESWE wird regelmäßig über den Projektstand informiert. Der Landesbetrieb Hessen-Forst, der sich dem Erhalt, der Pflege und der Gestaltung der Wälder widmet, ist als Partner mit an Bord des Projekts „Windenergie auf dem Taunuskamm“.

Gutachten: Windpark nicht bedenklich

Die ersten Gutachten, die die ESWE in Auftrag gegeben hatte, kommen für den geplanten Standort zu einem positiven Ergebnis. So fiel das Urteil des FFH-Gutachtens (Flora, Fauna, Habitat) gut aus. Auch die Gutachten zum Artenschutz, zu Landschaftsbild und Erholungswert kommen zu dem Ergebnis, dass ein Windpark auf dem Taunuskamm nicht bedenklich sei. Untersucht wurden bislang die Gebiete „Hohe Wurzel“ und „Eichelberg/Rentmauer“. In beiden Gebieten ist laut Gutachten eine FFH-verträgliche Umsetzung der Windkraftanlagen denkbar.

Die hessische Landesregierung hat rund zwei Prozent der Landesfläche für die Nutzung der Windenergie zur Verfügung gestellt. Bis 2050 sollen Erneuerbare Energien annähernd 100 Prozent der hessischen Energieversorgung decken. Da das Land Hessen das waldreichste Bundesland in der Bundesrepublik ist, sollte es nicht weiter verwundern, dass die für Windparks geeigneten Flächen zu fast 80 Prozent in Waldgebieten liegen. Verständlich ist also, dass die hessischen Bürger sich Sorgen um die Zukunft ihres waldbetonten Landschaftsbildes machen. Doch wenn die Energie- und Klimaschutzziele des Landes erreicht werden sollen, sind Windenergieanlagen auch in Wäldern nicht vermeidbar.

Widerstand auch in Rheinland-Pfalz

Doch nicht nur auf hessischer Seite manifestiert sich der Widerstand gegen das Projekt Taunuswind. Auch auf rheinland-pfälzischer Rheinseite, in Mainz, steht man dem Windpark auf dem Taunuskamm skeptisch gegenüber. Der Oberbürgermeister wandte sich in einem Schreiben an den hessischen Umwelt- und Energieminister Tarek Al-Wazir von den Grünen. Ebling mahnte Al-Wazir, beim Prüfungsverfahren zum Windpark auch die Interessent der gesamten umliegenden Region zu berücksichtigen. Dazu gehört neben Wiesbaden nach Meinung von Ebling auch Mainz, denn der Taunuskamm prägt das Stadtbild der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt. In seinem Brief bezog sich Ebling auch auf die Bedenken des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, der das Mainzer Landschaftsbild gefährdet sieht, sollten auf der „Hohen Wurzel“ Windkraftanlagen stehen.

Zudem sei der Taunus auch eine Naherholungszone: „Der unbesiedelte Teil der Wald- und Forstlandschaft macht den Taunuskamm für Wanderer und Spaziergänger zu einem der wenigen weitgehend stillen Räume unserer dynamischen und vor allem durch den Fluglärm sehr belasteten Rhein-Main-Region“, so Ebling in seinem Brief.

Die Antwort aus Wiesbaden folgte postwendend. Während sich die hessischen Grünen darüber ärgerten, dass Michael Ebling sich unsachgemäß in die rechts-rheinische Kommunalpolitik einmische, frotzelte Wiesbadens Bürgermeister und Umweltdezernent Arno Goßmann (SPD): „Der Blick auf Wiesbaden und Umgebung scheint ja ein besonderes Markenzeichen für Mainz zu sein.“

Mit seiner Antwort an den Mainzer OB versuchte der hessische Umweltminister Al-Wazir schließlich die Wogen zu glätten. Ebling habe „zu Recht darauf hingewiesen, dass die optische Wahrnehmung von Windenergieanlagen, wie auch der Schutz wichtiger Naherholungszonen und ökologischer Ausgleichsräume gewichtige Kriterien bei der Ermittlung von Flächen für die Windenergienutzung sind“. Ob die geplanten Windräder auf der „Hohen Wurzel“ das Landschaftsbild des Taunus und des Taunuskamms verunstalteten oder den Erholungswert der Landschaft beeinträchtigten, würde noch durch das Regierungspräsidium in Darmstadt geprüft, welches für das Genehmigungsverfahren zuständig ist. In diesem Verfahren würden auch Denkmalschutz- und Naturschutzbehörden angehört, so der Umweltminister weiter.

Bürgerinitiative Rettet den Taunuskamm e. V.

Wie fast überall in Deutschland, wenn neue Windkraftanlagen gebaut werden sollen, hat sich auch auf dem Taunuskamm eine Bürgerinitiative, Rettet den Taunuskamm e. V., gebildet, die gegen die zehn Windräder vorgehen will. Es geht den Bürgern aber nicht nur um ihr geliebtes Landschaftsbild, sondern von der Initiative in Auftrag gegebene Gutachten belegen auch die Gefahren, die die Windkraftanlagen für Fledermäuse, das Trinkwasser und die Flugsicherheit mit sich bringen.

Als Risiken der Windkraftanlagen nennt der Verein vor allem die Lautstärke der Rotoren, den Schlagschatten der Windräder, den Eiswurf, den Infraschall oder die Blinklichter, um Flugobjekte auf die Windräder aufmerksam zu machen. Außerdem kritisiert der Verein, dass die Windräder aufgrund ihrer Höhe nicht löschbar seien und die Feuerwehr im Fall eines Brandes diesen nur kontrolliere und ein vorgegebenes Gebiet absperre. Das sei vor allem in Waldgebieten sehr problematisch. Der Verein spricht sich auch deshalb gegen die Windenergieanlagen aus, da pro Windrad eine Fläche von 8000 – 10000 Quadratmetern gerodet werden müsse.

Wie der Wiesbadener Kurier berichtete, konnte die Initiative bis Mai 2014 5400 Unterschriften gegen die geplanten Windräder sammeln und beim Regierungspräsidium in Darmstadt, das für die Vergabe zuständig ist, einreichen.

 

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