© Anna Steiner

Klimawandel – Was wir alle tun können

Noch ein Klimagipfel mit bescheidenem Ausgang: Gerade ist in Bonn nach knapp zwei Wochen Verhandlung wieder ein Treffen der Superlative zu Ende gegangen, ohne dass ein großer Durchbruch erzielt werden konnte. Nun kann man leicht der Politik die Schuld in die Schuhe schieben, in sein großes Auto steigen und die schlechten Nachrichten gemeinsam mit der Abgaswolke hinter sich lassen. Oder man kommt selbst einmal in die Gänge – und das ist noch nicht einmal besonders umständlich. Tatsächlich kann jeder Einzelne von uns mit relativ einfachen Mitteln durchaus etwas erreichen.

In regelmäßigen Abständen veröffentlichen Umweltorganisationen unseren ökologischen Fußabdruck, also jene Messzahl, die zeigt, wie viel CO2 jeder Einzelne von uns bei all seinen Aktivitäten verursacht. Unterschiedlichen Berechnungen zufolge kommt ein Deutscher im Jahr auf 10 bis 13 Tonnen CO2. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace geht von 12,5 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr für jeden Deutschen aus. Würden alle Menschen auf der Welt so leben, brauchten wir 2,9 Planeten. Da lässt sich doch was tun.

1. Weniger heizen

Die meisten Heizungen in Deutschland werden mit Öl, Gas oder Kohle betrieben. Das ist ein Jammer, denn die CO2-Bilanz von Öl und Kohle ist denkbar schlecht. Erfreulich ist, dass immer mehr Deutsche mit Fernwärme oder Wärmepumpen heizen. Aber selbst wenn man nicht gleich sein ganzes Heizsystem umstellen will, kann man schon etwas erreichen: Viele wärmen ihre Wohnungen auf wohlige 22 Grad, dabei wären schon 20 Grad vollkommen ausreichend (und nebenbei bemerkt auch noch gesünder). Senkt ein Vier-Personen-Haushalt die Temperatur um nur ein einziges Grad, erspart er der Umwelt rund 350 Kilogramm CO2 pro Jahr. Wird die Temperatur in der Nacht auf 15 bis 16 Grad gesenkt, kann das bis zu 300 Kilogramm Kohlendioxid sparen.

2. Weniger Fleisch essen

Rund 60 Kilogramm Fleisch verspeist jeder von uns durchschnittlich im Jahr – das entspricht etwa 300 Steaks. In der deutschen Küche gehört Fleisch einfach mit auf den Teller. Ob Maultaschen, Weißwurst oder Königsberger Klopse: Fast jedes Regionalgericht macht Fleisch zu einem Muss. Was viele nicht wissen: Die Fleischproduktion ist bei der Ernährung der größte Klimasünder. Etwa 321 Kilogramm CO2 könnte jeder einsparen, wenn er zum Vegetarier würde. Veganer sparen sogar doppelt so viel, indem sie auch auf alle Milch- und Eiprodukte verzichten. Das gilt allerdings nur, wenn sie nicht auf Soja zurückgreifen, denn für den Sojaanbau werden Jahr für Jahr unzählige Hektar Regenwald abgeholzt. Wer dann Bedenken hat, dass er nicht mehr auf die notwendigen Nährstoffe kommt, könnte zumindest Rindfleisch meiden: 109,5 Millionen Liter Methan scheiden Kühe auf der ganzen Welt pro Jahr aus. Methan ist noch 25 Mal schädlicher für das Klima als CO2.

3. Strom sparen

Trockner, Spülmaschine, Brotbackautomat. Es gibt inzwischen nichts, was es nicht gibt, um die Arbeit im Haushalt zu erleichtern. Doch gerade die Haushaltsgeräte verbrauchen enorm viel Energie. Zwar müssen Elektrohersteller inzwischen die Energiebilanz der Geräte auf ihrer Verpackung ausweisen, doch energiesparende Produkte sind oft teuer. So kauft der Konsument dann doch den Stromschlucker, weil es sich scheinbar rechnet. Nicht bedacht hat er dabei oft, dass er später auch die Stromrechnung bezahlen muss. Nun kann man auf seine Waschmaschine schwerlich verzichtet, aber statt eines Trockners täte es auch ein Wäscheständer. Und statt leicht verschmutzte Kleidung bei 40 Grad durch die Waschmaschine zu schleusen, tut es in vielen Fällen auch eine Kaltwäsche. Das spart nicht nur Energie bei der Wassererhitzung, sondern schont auch die Kleidung und macht sie haltbarer.

4. Auf Ökostrom setzen

Deutschland präsentiert sich gerne als Vorreiter in der Energiewende. Doch noch immer werden 40 Prozent des Stroms mit Stein- und Braunkohle produziert. Auch in den Sondierungsverhandlungen wird deutlich: Der Ausstieg aus der Kohle ist kaum durchsetzbar. Nun ist die Energiebereitstellung tatsächlich ein Bereich, in dem ein einzelner Bürger nur wenig ausrichten kann. Was er allerdings tun kann: den Stromanbieter wechseln und Ökostrom wählen. Das mag zwar in vielen Fällen etwas teurer sein, ein durchschnittlicher Drei- bis Vier-Personen-Haushalts kann so im Jahr aber bis zu zwei Tonnen CO2 sparen.

5. Regional einkaufen

0,7 Tonnen von 12,5 Tonnen Kohlendioxidemissionen pro Bürger stammen aus dem internationalen Gütertransport. Die Flugfracht macht hier den größten Anteil aus. Per Flugfracht wird transportiert, was eine kurze Lebensdauer oder Aktualität hat. Dazu gehören lebende Tiere, exotische Früchte, Mode, aber auch diebstahlgefährdete Ladung. Auch hier kann man nur indirekt eingreifen, indem man weniger außersaisonale Ware konsumiert. Dabei gilt: je regionaler, desto besser. Es muss nicht immer gleich bio sein. Bei der Ernährung ist die Herkunftsbestimmung noch relativ einfach. Wer die Regionalstrategie auch auf andere Lebensbereiche ausweiten will, muss schon etwas genauer hinsehen. Selbst ein Fernseher des in Rheinland-Pfalz ansässigen Unternehmens Technisat kommt nicht mehr nur aus Deutschland: Die Bildschirme werden aus Asien angeliefert. So lässt es sich nicht immer vermeiden, auf Luftfracht-Waren zurückzugreifen. Doch gerade im Bereich der Mode, dem boomenden Zweig des Online-Versandhandels, gibt es Anbieter, die ausschließlich nachhaltige und regionale Ware verkaufen. Ein Blick aufs Etikett vor dem Kauf kann hier messbar Kohlendioxid einsparen. Und statt Lebensmittel und Kleidung online zu bestellen und im Zweifel die Klamotten zurückzuschicken, kann man den Einkaufsbummel mit dem Fahrrad vor Ort erledigen. Das spart CO2 und Frust – und die ersehnte Hose passt dann wenigstens auch.

6. Weniger Wasser verbrauchen

Bei den öffentlichen Dienstleistungen, die in den ökologischen Fußabruck eingerechnet werden, ist es ebenfalls schwierig, Einfluss zu nehmen, aber nicht völlig unmöglich. 123 Liter Trinkwasser verbrauchen wir im Durchschnitt pro Tag. Das ist europäisches Mittelmaß. Kleine Veränderungen können hier schon viel bewirken: Statt ein Bad zu nehmen, reicht eine Dusche. Während des Zähneputzens kann man den Wasserhahn zudrehen, oder statt für wenige Teile die Spülmaschine anzuwerfen, kann man mit weniger Wasser von Hand wesentlich wassersparender abspülen. Und auch unser Auto muss nicht jeden Samstag zur Autowäsche gebracht werden. Die Abwasseraufbereitung ist energieintensiv.

7. Das Auto stehen lassen

Richtig ist, dass sich bei der Fortbewegung viel getan hat. Pkw und Lkw wurden technisch so weiterentwickelt, dass sie weniger umweltschädliche Abgase ausstoßen als noch vor wenigen Jahren. Doch das Mehr an Verkehr hebt den Fortschritt auf. Zwischen 1995 und 2015 sind die Kohlendioxidemissionen aus dem Personenverkehr nur um zwei Prozent gesunken – und damit wesentlich schwächer, als die Technik erwarten ließe. Auch hier ist die Politik gefragt, insbesondere die Kommunalpolitik, die für eine intelligentere Verkehrsführung verantwortlich wäre. Doch noch immer ist der Verkehr im Autoland Deutschland einer der schlimmsten Umweltsünder. Das Einzige, was wirklich hilft: Auto stehen lassen und mit dem Rad zur Arbeit fahren. Wer einen Arbeitsweg von 20 Kilometern pro Tag mit dem Rad statt dem Auto zurücklegt, spart im Jahr 400 Kilogramm CO2. Nun mag es den einen oder anderen geben, dem es an körperlicher Fitness oder an Zeit mangelt, aber der kann es mit Bus und Bahn oder Fahrgemeinschaften versuchen. Auch das spart ordentlich Treibhausgase. Und auch im Fernverkehr setzen die Deutschen noch viel zu oft auf das Flugzeug. Allein ein Flug von Hamburg nach München verursacht 340 Kilogramm CO2. Die Bahnfahrt dauert zwar länger, ist aber für die Umwelt besser.

8. Weniger konsumieren

Die deutsche Wirtschaft pulsiert. Weihnachten steht vor der Tür, die Deutschen kaufen ein. Ein Auto reicht vielen nicht – ein Zweitwagen muss her, immer das Neueste in der Technik, und sobald etwas nicht mehr makellos ist, landet es im Müll. Doch gerade hier lässt sich sparen. Bei Neuanschaffungen im Haushalt können wir auf Haltbarkeit und Energieeffizienz achten, viele haben die „Sharing Economy“ für sich entdeckt: Statt ein Auto zu besitzen, teilt man es sich, Gleiches gilt für Waschmaschine und Trockner oder andere Haushaltsgeräte. Anstatt Gekauftes kurze Zeit später wegzuwerfen, bieten inzwischen viele Apps die Verwertung von Gebrauchtem an: Kleider können an die Community weiterverkauft oder verschenkt werden, Online-Flohmärkte bieten Ähnliches für alle möglichen Konsumgüter. Und schon ein bewusster Einkauf kann Müll vermeiden: Zu planen, was man wirklich braucht, und dieses dann zu kaufen, anstatt viel zu vieles später wegzuwerfen, ist ein Anfang. Jeder von uns produziert rund 620 Kilogramm an Müll pro Jahr, und Verpackungsmüll-Europameister sind wir noch dazu.

Fazit

Wenn sich die Politik nicht bewegt, können immerhin wir es tun. Vieles lässt sich mit ein wenig Planung schon verbessern, ohne viel an Komfort einzubüßen. So lässt sich leicht ein Jahr überbrücken, dann kommt der nächste Klimagipfel. Vielleicht dann mit ehrgeizigeren Zielen.

Hinweis: Dieser Text erschien zuerst in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung am 19. November 2017.

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *