Ein kritischer Blick: Funktioniert die Kampagne für mehr Klimaschutz?

Erwischt: Klimaschutz-Kampagne ist YouTube-Hit

Wenige Wochen vor dem neuen UN-Klimagipfel in Lima wirbt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks mit ihrer neuen Kampagne „Zusammen ist es Klimaschutz“ fürs Stromsparen. Das Interessante daran: Sex, Zombies und Machos fehlen nicht. Nachdem die für eine Bundesministerium ungewöhnlichen Videos zunächst auf Kritik gestoßen waren, werden die rund halbminütigen Clips auf YouTube nun fleißig geklickt.

Barbara Hendricks kommentiert die neue Kampagne folgendermaßen: „Viele Menschen glauben, sie könnten alleine doch nichts fürs Klima tun. Unsere Kampagne zeigt, dass das nicht stimmt. Viele Einzelne können durchaus etwas für den Klimaschutz bewegen. Die zentrale Botschaft ist: Klimaschutz braucht alle. Jeder kann seinen Beitrag leisten. Schon ganz einfache Dinge können helfen. Getreu der Devise: Zusammen ist es Klimaschutz“. Dass dieser Beitrag des einzelnen in den Videos hin und wieder etwas überzogen daher kommt, scheint der Kampagne aber keinen Abbruch zu tun.

Und auch auf Twitter wird Hendricks für ihre Kampagne zumindest respektiert, wenn auch teilweise mit einer gehörigen Portion Humor:

Das erste Video der Reihe „Erwischt: Meine Eltern“ haben bereits mehr als 115.000 Zuschauer gesehen. Im Grunde lässt sich dessen Handlung so zusammenfassen: Die Tochter kommt auf Zehenspitzen nach Haus und erwischt ihre Eltern im hell erleuchteten Wohnzimmer in eindeutiger Pose. Nach einer peinlichen Begrüßung lächelt sie schließlich und knipst das Licht aus. Die Botschaft des Bundesministeriums dahinter: „Danke! Denn schon fünf Prozent weniger Stromverbrauch in deutschen Haushalten machen ein Kohlekraftwerk überflüssig.“

Erstes Video der Kampagne des BMU für mehr Stromsparen

Erstes Video der Kampagne des BMU für mehr Stromsparen: Erwischt.

Zwar bestätigt laut Spiegel Online inzwischen auch ein Sprecher des Bundesumweltministeriums die durchaus positive Rückwirkung: „Die Resonanz ist außerordentlich, wir sind sehr zufrieden.“ Dennoch muss sich das Ministerium – wie so oft, wenn der Staat Werbung schaltet – vorwerfen lassen, aufgesetzt cool zu sein. Ziel dahinter ist es, auch die Jugend im Land zu erreichen.

Selbst Zombies kommen in der Kampagne nicht zu kurz: Während eine junge Frau Panflöte übt, heckselt ein Mann im Garten vor dem gekippten Fenster Äste. Als er schließlich von Zombies überfallen und ausgesaugt wird und damit der Geräuschpegel von draußen steigt, schließt die junge Frau mäßig interessiert am Geschehen in ihrem Garten kurzerhand das Zimmerfenster. Die Botschaft des Videos: „Danke! Schluss mit Dauerkipp im Winter, denn Stoßlüften ist besser fürs Klima!“ Warum der Hechsler nicht auch ohne Zombiegeächze schon laut genug war, bleibt im Video unklar.

Die Welt sagt danke: Stoßlüften ist besser fürs Klima.

Die Welt sagt danke: Stoßlüften ist besser fürs Klima.

Fazit: Etwas weniger Künstlichkeit in den Videos hätte es auch getan, aber wenigstens kann niemand mehr sagen, das Thema Klimaschutz interessiere hierzulande niemanden. Die Youtube-Klickzahlen beweisen das Gegenteil.

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